Blickwinkel

Hier finden Sie einen Blickwinkel auf das Zeitgeschehen.

Im Horizont der christlichen Botschaft wird ein Blick gewagt auf aktuelle Themen in Kirche und Gesellschaft.

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Blickwinkel vom 03.12.2016

Worauf warten Sie?

Im absoluten Halteverbot am Bahnhof stand das Auto. Als der Polizeibeamte den Strafzettel schreiben wollte, sieht er den Mann am Steuer des Wagens. Darum klopft er an das Fenster. Der Mann schreckt aus seinen Gedanken auf und kurbelt die Scheibe herunter. Der Polizist fährt ihn an: „Worauf warten Sie denn hier?“ Darauf der Mann, noch an seinen Gedanken hängend: „Ich warte auf das Reich Gottes.“ Der Polizeibeamte muss ihn ziemlich entgeistert angesehen haben. Dann ist er kopfschüttelnd weggegangen. Sogar den Strafzettel hat er vergessen.

 

Diese Geschichte ist skurril. Aber die Frage des Polizisten ist wesentlich: „Worauf warten Sie eigentlich?“ Ich habe den Eindruck: die meisten warten auf gar nichts. Man sieht eben nur, wie man den Stress der Zeit vor Weihnachten bewältigt und dann geht es ja auch bald weiter im nächsten Jahr. Wer aber auf nichts wartet, der erwartet auch nichts mehr. Manche erwarten vielleicht noch ein paar ruhige Weihnachtstage. Kinder erwarten ungeduldig ihre Geschenke. Oder weiße Weihnachten. Aber wer wartet schon auf das Reich Gottes?

 

Am 2. Advent geht es theologisch um das zweite Kommen Jesu. In früheren Generationen haben die Christen sehnsüchtig auf das Kommen des Reiches Gottes gewartet. Damit verbunden war die Hoffnung, dass endlich Gerechtigkeit und Friede einzieht. Sie haben dafür gebetet, dass Not und Leid ein Ende haben werden. So konnten sie die Augen aufheben aus den Sorgen und Nöten des Alltags und einen weiten Blick bekommen, der dem Leben Hoffnung und Kraft gibt.

„Worauf warten Sie denn hier?“ – so die Frage des Polizisten. Ich wünsche Ihnen und mir solch einen Weitblick im Advent, dass wir das Kommen des Reiches Gottes wieder neu in den Blick bekommen. Dass wir erkennen: was uns hier und aktuell alles umtreibt, ist vorläufig. Das Ewige und Beste kommt erst noch. Darauf warten wir. Denn wer nicht wartet, erwartet auch nichts mehr.

 

Eine erwartungsvolle Adventszeit wünscht Ihnen

Friedemann Wenzke, Pfarrer in Kleinsachsenheim