Rabenschwarzer Tag - Beitrag zu Karfreitag

© Pfr. Matthias Hanßmann

 

von Pfarrer Matthias Hanßmann, Enzweihingen

 

 

Tiefer sinken kann man kaum. Der Text „Rabenschwarz“ vom Rapper Kontra K führt den Hörer seines Songs in den tiefsten Abgrund:

„Ich will nur weg von hier, weg von Problemen! …
Und ich such' nach dem letzten guten Grund zu lebenIn meiner rabenschwarzen Seele
Ich guck' meine Wunden an, reiß sie auf; stundenlang
Frag warum ich lebe und noch Luft in den Lungen hab…
Zwei andere Gesichter spiegeln den ganzen Hass
Nehmen mir den Glauben an das Gute… Was tun, mit so einem Tag“

Morgen ist Karfreitag. Auf den ersten Blick der Tiefpunkt einer hoffnungsvollen Messiaskarriere. Ein rabenschwarzer Tag für die einst glückstrunkenen Weggefährten Jesu. Jetzt bleibt kein Ausweg. Probleme türmen sich auf. Alle Träume sind geplatzt. Der Blick auf Jesus am Kreuz lässt die Seele schreien. Aufgerissene Wunden, geschundener Körper am Kreuz, tränenüberströmte Mutter Gottes, und endlos viele vor Hass höhende Kehlen. Der Judenkönig hat ausregiert!

Karfreitag ist kein Rabentag. Denn den zweiten Blick erkennen wir, dass Gott keine Rabenmutter ist. Gott liebt das Leben! Karfreitag ist der Wendepunkt einer hoffnungslosen Menschheitsgeschichte. Am Tiefpunkt Gottes steht fest: Gott leidet freiwillig. Aber warum nur? Damit andere aufatmen und leben können. Es ist doch so:  Irgendwo muss sich doch der Schmerz einer Kontra K – Gesellschaft kristallisieren! Irgendwo muss die rabenschwarze Seele doch zur Ruhe kommen. Am Kreuzpunkt findet jede Seele Ruhe. Versprochen.

Texte des Gangsta-Rappers halten wir kaum aus. Gott schon. Mehr noch: Er steigt mitten in den tiefsten Seelensumpf hinab. Am Tiefpunkt lässt sich Gott finden. Im tiefsten Leid finden wir bei Jesus das größte Glück. Das ist das Wunder von Golgatha. Ein Beispiel? Kurz vor dem letzten Lungenzug verspricht Jesus dem Anderen – dem, der ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“. So kanns gehen: Noch zweimal schlafen, und dann ist Ostermorgen.