„ZUM ÜBERDENKEN“ (Ostern 2018)

© Pfr. Johannes M. Rau

© Pfarrer Johannes M. Rau

 

von Pfarrer Johannes M.Rau, Sersheim

Eigentlich sollten sie längst da sein, die ersten Schmetterlinge: Das Tagpfauenauge zum Beispiel. Aber wir wissen: Sie werden noch kommen! Denn immer wieder geschieht das Wunder, dass aus unansehnlichen Raupen Wunderwerke der Schöpfung entstehen und uns ihre unglaublich schönen Flügel zeigen.
Schon immer war das Wunder der Schmetterlinge für Christen ein Abbild der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Ein Gott, der das eine kann, kann doch wohl auch das andere. Auch, wenn es eigentlich nicht zu fassen ist.
Ja, schwer zu fassen war die Auferstehung schon damals für die Jünger. Obwohl sie so viele Wunder von Jesus gesehen hatten, konnten sie den Frauen damals nicht gleich glauben, als die ihnen erzählten, Jesus sei auferstanden. „Das sind doch Märchen, reines Wunschdenken ohne Realität“, dachten sie.
Aber dann sind sie ihm selbst begegnet, immer wieder, und haben mit ihm gegessen. Da wurde ihnen klar: Der Auferstandene ist echt. Das mit Ostern ist nicht nur ein innerseelisches Phänomen. Fünf Worte aus dem Lukas-Evangelium fassen es zusammen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ (Lk.24,34). Dafür ließen sie sich später sogar bei Androhung von Strafen als Zeugen befragen.
Aber selbst, wenn wir das heute alles bejahen würden - das Osterwunder selbst wäre uns dadurch trotzdem noch nicht wirklich erschlossen. Dietrich Bonhoeffer bringt uns auf die richtige Oster-Spur, wenn er sagt: „Christus ist nicht in die Welt gekommen, dass wir ihn begreifen, sondern dass wir uns an ihn klammern, dass wir uns einfach von ihm hinreißen lassen in das ungeheure Geschehen der Auferstehung.“ Das ist es: Sich selbst mit dem Auferstandenen verbinden, so dass die Oster-Hoffnung uns zur Freude und zur Kraft unseres Lebens wird!