Reformation und Kinder

von Dekan Reiner Zeyher

„Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt

Auf Martin Luther geht dieses Zitat zurück. Die Sprengkraft der Wiederentdeckung christlicher Freiheit wird darin sichtbar. Luther war ergriffen von der frohen Botschaft der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes in Christus Jesus. „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier; hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Jesus Christus“ (Gal 3, 28). Diese Worte des Paulus an die Gemeinden in Galatien waren für ihn maßgebend und erkenntnisleitend. Und das andere auch: dass ein Christenmensch wissen muss, was er glaubt. Denn nur so könne er auch seinen Glauben vor Gott gewissenhaft und verantwortungsvoll in der Welt leben. Anselm von Canterbury hatte diesen Aspekt Jahrhunderte vor ihm so in Worte gefasst: „Fides quaerens intellectum“ (Der Glaube, der nach Einsicht sucht).

 

 

Schulbildung für alle Kinder

Wenn das also gilt, dann kann es nicht sein, dass nur Knaben zur Schule gehen dürfen, sondern dass alle Kinder die Möglichkeit haben müssen, Lesen und Schreiben zu lernen. So forderte er in seiner 1524 verfassten Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“, die Verantwortlichen auf, das Bildungssystem zu verändern und auch Mädchen, und damit allen Kindern, den Zugang zu einer Bildung zu ermöglichen, denn Bildung sei notwendig, um alle Bereiche des Lebens meistern zu können. Auf heutige Begrifflichkeit gebracht ging es Luther – wohlgemerkt schon in der Mitte des 16.Jahrhunderts! – um Bildungsteilhabe und Bildungsgerechtigkeit als notwendige Voraussetzung für ein funktionierendes und gelingendes Gemeinwesen.

 

Lasset die Kinder zu mir kommen

Luther war es wichtig, die Kinder schon von klein auf ernst zu nehmen als geliebte Kinder Gottes, die Jesus selbst zu sich rief und segnete. Aber nicht nur das. Gott selbst wurde Mensch in einem kleinen Kind. Nicht ohne Grund kommen deshalb in der Evangelischen Kirche der Kinder- und Jugendarbeit, dem Konfirmandenunterricht als ein nachgeholter Taufunterricht der als Säuglinge getaufter Kinder und dem Kindergottesdienst verstanden als ein Dienst Gottes an den Kindern eine zentrale Bedeutung zu.

 

Weiterführende Informationen:

 

 

Reformation mit Kindern erleben

http://www.kirche-mit-kindern.de/reformations-tipps/

 

Kirche mit Kindern rund um das Reformationsjubiläum

http://www.ekd.de/kindergottesdienst/

 

Unterwegs zum Reformationsjubiläum

http://www.afg-elkb.de/lutherjubilaeum-2017/