Blickwinkel

„Wer im Glashaus sitzt“

© Pfr. D. Hofmann

von Pfarrer Dieter Hofmann aus Großsachsenheim

Es ist doch eigentlich so einfach: Eine Kirche, die dem Vorbild Jesu nacheifert, lebt Nächstenliebe, vertraut auf Gott und achtet alle seine Geschöpfe als Ebenbilder Gottes. So einfach ist das und doch so schwer. Mögen sich noch so viele Menschen genau daran orientieren, so fällt doch auf, dass es auch jene gibt, die Kinder missbrauchen oder Homosexuelle lieblos ausgrenzen, wenn sie um Gottes Segen bitten. Dabei scheint es doch so einfach, anders zu handeln. Wer sich an Jesus orientiert, wird zu seiner Schuld stehen, den Schaden (auch finanziell) zu heilen suchen und Strukturen schaffen, die verhindern, dass so etwas jemals wieder geschieht.

Und doch fällt es uns bis weit in den persönlichen Bereich so schwer, Schuld einzugestehen. Ganz schnell haben wir unsere Ausflüchte. Auch mir geht das so. Da wurde ich kürzlich in einer 30er-Zone geblitzt. Sofort gingen mir tausend Ausflüchte durch den Kopf, warum das total fies war und ich doch eigentlich völlig zu Unrecht abgestraft wurde. Statt zur eigenen Schuld zu stehen, flüchte ich in Ausreden und mache lieber andere zu Schuldigen. Was im Kleinen schon nicht funktioniert, setzt sich bis zu weitreichenden Verbrechen durch: Die Taten werden häufig kleingeredet, die Opfer fühlen sich noch mehr gedemütigt und nicht ernstgenommen.  

Deshalb habe ich mir für das nächste Mal vorgenommen, auf Ausreden zu verzichten, meine Fehler auf die eigene Kappe zu nehmen und dann wirklich was zu ändern. Das wird sicher schwierig und ich werde noch oft versagen. Aber wo Schuld uns lähmt, da schenkt Gott einen neuen Anfang. Dieser Satz, den ich bei jedem Abendmahl der Gemeinde zuspreche, gilt für große und kleine Vergehen. Gott will, dass sich was ändert. Und wenn Sie mich dann wieder mal zu schnell auf der Straße unterwegs sehen, dann wissen sie: Ich übe noch.