Nach Jahr und Tag – Reformationsgedenken 2018

© Dekan Reiner Zeyher

von Dekan Reiner Zeyher, Vaihingen an der Enz

 

Am 31.Oktober 2017 – also genau vor Jahr und Tag - feierte die Evangelische Kirche in Deutschland das 5oo-jährige Gedenken der Reformation. Auch in Vaihingen an der Enz fand an diesem besonderen Tag ein Festgottesdienst in der Stadtkirche statt. Höhepunkt war die Aufführung der Kantate Nr. 79, „Gott der Herr ist Sonn´ und Schild“, die Johann Sebastian Bach zum Reformationsfest 1725 komponierte. Ein Gottesdienst mitten im Alltag.

Möglich machte es der Landtag von Baden-Württemberg, der das 500-jährige Gedenken an die Reformation zum Anlass nahm, einen gesetzlichen Feiertag auszurufen. Nicht wenige verbanden damit die Hoffnung, dass das Beispiel der nördlichen Bundesländer auch im Süden der Republik Schule machen könnte, diesen Tag auf Dauer als gesetzlichen Feiertag festzusetzen. Ein starker Befürworter dieses Anliegens war der württembergische Landesbischof Frank Otfried July.

Es ist anders gekommen. Der 31.Oktober 2018 ist - nach Jahr und Tag – kein gesetzlicher Feiertag mehr. Und wahrscheinlich wird sich daran auch nichts mehr ändern. Um es gleich zu sagen: Es geht hier nicht um gekränkte Eitelkeit, die mit dem Bedeutungsverlust der evangelischen Kirche in unserer Gesellschaft nicht zurechtkommt. Oder zugespitzt formuliert: Die mit erhobenem moralischem Zeigefinger den öffentlichen Machtverlust zurückzugewinnen versucht. Dahinter verbirgt sich vielmehr das selbstkritische Anliegen, nach Jahr und Tag zu fragen: Was ist geblieben von diesem großen kirchlichen Event der Evangelischen Kirche in Deutschland?

Das hört sich nach Bilanz an. Aber auch das ist nicht gemeint. Es geht nicht um Zahlen. Auch nicht um Wichtigtuerei als evangelische Kirche im ehemals evangelischen Württemberg. Oder gar, wie man es vielleicht auch missverstehen könnte: Um eine Profilierung gegenüber der katholischen Kirche? Wenn man – um es in der Sprache Luthers zu sagen - dem „Volk auf’s Maul schaut“ und aufmerksam hinhört, dann sind es ja gerade die Zahlen, die Bilanzen, die Strukturdebatten in unserer Kirche, die niemand mehr hören kann.

Um was geht es dann? Ganz reformatorisch um die Frage, was und wer erhält die Kirche? Was macht die Kirche zur Kirche? Bestimmt nicht der gesetzliche Feiertag am Reformationsfest. Freilich: Auch ich bin nach wie vor ein Befürworter dieser Idee. Und ich würde mich freuen, wenn es in unserem Land dafür – nicht erst wieder in 500 Jahren - eine Mehrheit gäbe. Es ist – reformatorisch gesprochen – nicht die äußere Gewalt, nicht die Kodierung des öffentlichen Raums im Gewand eines gesetzlichen Feiertags und es sind auch nicht die innerkirchlichen Strukturdebatten im Zuge des gesellschaftlichen Säkularisierungsprozesses. Es ist die Gewissheit des Glaubens, dass die Kirche Jesu Christi nicht unser Werk ist. Gott allein ist es, der die Kirche gründet, trägt und erhält in alle Ewigkeit hinein. Das reicht weiter als über Jahr und Tag hinaus. In dieser getrosten Hoffnung und Zuversicht feiern wir in diesem Jahr 2018 das Reformationsfest. Auch ohne gesetzlich geschützten Feiertag.