Das wandernde Gottesvolk

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Unter dieses Wort aus dem Hebräerbrief stellte Dekan Reiner Zeyher seinen Bericht auf der Herbstsynode des Kirchenbezirks am 16. November 2018 in Vaihingen.

Die Gemeinde Jesu ist unterwegs als wanderndes Gottesvolk. Im Wissen um die Vorläufigkeit dieser Welt vertraut sie den Verheißungen auf den großen Advent am Ende der Zeit. Sie bleibt in Bewegung, harrt aber auch aus, wo andere den Rückzug antreten. Weil sie sich von Gott gehalten weiß, muss sie nicht krampfhaft festhalten an altbekannten Strukturen, sondern kann getrost und unerschrocken neue Schritte wagen. Im Horizont der Ewigkeit verliert der Strukturwandel seinen Schrecken.

Im zurückliegenden Jahr gab es einige Veränderungen. Einzelne Entwicklungsprozesse konnten erfolgreich beendet werden, andere stehen kurz vor dem Abschluss. So wurde zum 1. August 2018 die neue Kindergartenträgerstruktur umgesetzt, die Pfarrerinnen und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlastet und ihnen Freiraum für die religionspädagogische Arbeit schenkt. Am 1. Januar 2019 wird die Pauschalierung der Kirchensteuerzuweisungen an die Gemeinden eingeführt. Die Gemeinden gewinnen dadurch einen Gestaltungsspielraum, müssen mit dem zugewiesenen Geld aber auch auskommen. Die Kirchengemeinden Hochdorf und Riet, die sich bereits eine Pfarrstelle teilen, werden sich zu Beginn des Jahres 2019 zu einer Gemeinde zusammenschließen. Eine große Herausforderung ist der Pfarrplan 2024, der im Kirchenbezirk Vaihingen die Streichung von 3,5 Pfarrstellen vorschreibt. Die Kirchengemeinden der Stadt Sachsenheim (Großsachsenheim, Kleinsachsenheim, Hohenhaslach, Ochsenbach-Spielberg und Häfnerhaslach) überlegen in diesem Zusammenhang, ob sie eine Gesamtkirchengemeinde bilden wollen.

Die Fusionsgespräche mit dem Kirchenbezirk Ditzingen sind in der Endphase angelangt. Am 22. Oktober 2018 verabschiedete die Steuerungsgruppe eine vorläufige Bezirkssatzung, die von beiden Kirchenbezirksausschüssen gebilligt wurde. Eine Sondersynode zur Fusion mit einer ersten Lesung des Fusionsgesetzes, der neuen Bezirkssatzung und der Geschäftsordnung der beiden Dekane findet im Kirchenbezirk Vaihingen am 19. Januar 2019 im Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim statt; die Bezirkssynode Ditzingen tagt am 1. Februar 2019. Eine endgültige Beschlussfassung zur Fusion zum 1. Januar 2020 soll auf den Frühjahrssynoden am 15. März im Kirchenbezirk Vaihingen und am 29. März im Kirchenbezirk Ditzingen erfolgen.

Wie jedes Jahr im Herbst fasste die Synode unter der Leitung von Albrecht Noller die notwendigen finanziellen Rahmenbeschlüsse. Der Haushalt 2019 wurde beraten und gebilligt, wobei der Kindergartenhaushalt in Form eines Nachtragshaushalts zu einem späteren Zeitpunkt eingebracht werden muss. Zum Ausgleich des Haushalts ist eine Bezirksumlage von 1.256.140 € erforderlich. Sie wird von den Kirchengemeinden erhoben und beläuft sich auf 46,09 € pro Gemeindeglied.

Rainer Scheufele vom Diakonischen Werk Württemberg stellte den Aktionsplan der Landeskirche „Inklusion leben“ vor. Inklusion ist nicht etwas, was wir als Kirche auch noch machen, sondern was uns ausmacht, so Landesbischof Frank Otfried July. Inklusion in Kirchengemeinden und kirchlichen und diakonischen Einrichtungen hat das Ziel, allen Menschen ungeachtet ihrer Einschränkungen Teilhabe zu ermöglichen. Im Blickpunkt stehen daher Menschen mit Behinderungen genauso wie arme, arbeitslose, psychisch kranke und alte Menschen oder Flüchtlinge. Zum Aktionsplan ist ein Arbeitsheft erschienen.

Gudrun Aker