Pfarrkonvent 2018

Kirchliche Regionalentwicklung als eine Antwort, wie die Kirche der Zukunft aussehen kann

© KB Vaihingen/Enz

Die Landeskirche, aber auch die Kirche deutschland- und europaweit erleben derzeit gemeinsam das enorme Tempo gesellschaftlicher Veränderungen. Das ist bis in die Arbeit der Kirchenbezirke und Einzelgemeinden deutlich spürbar. Gemeindegliederzahlen gehen zurück, die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer ebenso. Pfarrstellen werden gestrichen. So auch im Kirchenbezirk Vaihingen an der Enz von derzeit 19,5 auf 16 bis spätestens 2024. Wie kann die Kirche unter diesen veränderten Bedingungen neu auf Menschen zugehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Pfarrerschaft des Kirchenbezirks Vaihingen an der Enz auf dem diesjährigen Pfarrkonvent, der Mitte Juli im Kloster Neresheim stattfand.

 

Referent auf dem Pfarrkonvent waren Dr. Manuel Stetter von der Universität Tübingen und Hans-Hermann Pompe, der Leiter des EKD Zentrum für Mission in der Region. Die Antwort Pompes auf die veränderten Rahmenbedingungen von Kirche lautet: „Starke Regionen brauchen starke Gemeinden – genauso wie starke Gemeinden starke regionale Partner brauchen.“ Seiner Ansicht nach ist damit die Kirche der Zukunft vorwiegend regiolokal verfasst. Region und örtliche Glaubensgemeinschaft sind eng miteinander verflochten. Dabei werde die kirchliche Landkarte vielfältiger. Neben den klassischen Parochialgemeinden und den Funktionsstellen wie Krankenhaus- oder Gefängnisseelsorge oder auch Jugendgemeinden könne es auch Profilgemeinden geben, die sich durch einen bestimmten Schwerpunkt auszeichneten. Überschaubare christliche Wohngemeinschaften oder Kommunitäten und Gebetshäuser seien ebenfalls vorstellbar. Der Wert der klassischen Ortsgemeinde werde dadurch nicht geschmälert. Aber es komme zugleich zu einer Ausdifferenzierung der kirchlichen Angebote und Gemeindeformen in der Region. In der Entwicklung dazu sei es wichtig, unterschiedliche Geschwindigkeiten zuzulassen und die verschiedenen Blickwinkel der Menschen von Motivation bis hin zur Verweigerung zu begleiten und auch ein Stück auszuhalten.

Hans Hermann Pompe berichtete persönlich und auch anhand von Filmmaterial von verschiedenen Beispielen in Deutschland, wo sich Gemeinden in der Region in diesem Sinne auf den Weg gemacht und davon profitiert haben. Durch besseres gegenseitiges Kennenlernen, das Wahrnehmen des kirchlichen Angebots der Nachbargemeinden und daraus erwachsend dann verstärkte Kooperationen bis hin zur Fusionen wurden Kräfte gebündelt und ein neues Gemeinschaftsgefühl erlebt.

Der Pfarrkonvent war somit ein wichtiger Impuls bei den anstehenden Strukturveränderungen innerhalb des Kirchenbezirks. Einerseits im Blick auf verstärkte Zusammenarbeit von Gemeinden und andererseits auch für die angedachte Kooperation bzw. Fusion der Kirchenbezirke Vaihingen an der Enz und Ditzingen und eventuell auch Mühlacker.

Umrahmt wurde der Pfarrkonvent von einem gemütlichen Grillabend im Klosterhof und einer gemeinsamen Wanderung zur Burg Katzenstein mit Einkehrmöglichkeit. Auch die beiden WM- Halbfinalbegegnungen waren Teil des geselligen Rahmenprogramms.

Alle Pfarrerinnen und Pfarrer der Württembergischen Landeskirche treffen sich jährlich untergliedert nach den Dekanaten zu sogenannten Pfarrkonventen, um sich mehrere Tage einem bestimmten Thema zu widmen und die Kollegialität zu stärken.

 

Pfarrer Friedemann Wenzke